Redebeitrag auf der Tolerade 2017

Hier veröffentlichen wir unseren Redebeitrag, der in gekürzter Form auf der Tolerade 2017 verlesen wurde:

Mit dem Verkauf der städtischen Wohnbaugesellschaft 2006 durch die Schwarz-Gelbe Stadtratsmehrheit wurde der Anfang gemacht für eine Mietpreisspirale, von der heute fast alle DresdenInnen betroffen sind. Über Nacht wurden 50.000 Wohnungen an den US-amerikanischen Investor Fortress verkauft. Infolgedessen hat sich der Mietspiegel in Dresden seit der Erhebung 2011 bis heute um fast 50% erhöht. Dresden ist keine Stadt mehr, die für bezahlbare Mieten bekannt ist, sondern eher für hohe Renditen auf dem Wohnungsmarkt.

Für einige mag diese Entwicklung verschmerzbar sein, für andere bedeutet dies, dass sie sich die höheren Mieten in ihren Wohnungen nicht mehr leisten können. Sie müssen sich am Stadtrand umsehen und werden somit aus ihren angestammten Kiezen verdrängt. Zurück bleiben nach und nach gentrifizierte Viertel auf der einen Seite und arme Viertel auf der anderen. Die Konsequenz ist nichts anderes, als eine Spaltung der Gesellschaft in zwei Gruppen: Arm und Reich; Menschen die zentral wohnen und die, die schlecht angebunden sind; Menschen, denen vieles offen steht und jenen die häufig perspektivlos sind.

Besonders hart trifft diese Entwicklung Menschen, die auf sozialen Wohnraum angewiesen sind. Dazu gehören z.B. Hartz-4 EmpfängerInnen, aber auch die Refugees, die zumindest nicht im Asylheim wohnen müssen. Die ihnen zugewiesenen Wohnungen liegen meist am Stadtrand und sind kaum noch verfügbar. Eine Einraumwohnung im sozialen Wohnbau zu finden, ist nahezu unmöglich.

Die meisten privaten VermieterInnen schließen die Vermietung ihrer Immobilien an diese Gruppen aus Vorurteilen und rassistischen Ressentiments kategorisch aus und haben Angst um die größtmögliche Renditen aus ihren Immobilien.

Ingesamt führt diese massive Verknappung an bezahlbarem Wohnraum zu einem künstlichen Konkurrenzverhältnis zwischen den Gruppen. Häufig kommt von RassistInnen das Argument: „Die Ausländer nehmen uns jetzt auch noch die Wohnungen weg.“ So findet die soziale Spaltung nicht nur zwischen verschiedenen Stadtvierteln statt, sondern zieht vor allem in die ärmeren Viertel der Stadt ein. Um dort wieder mehr Wohnraum zu schaffen, werden Refugees zur Zeit aus ihren Wohnungen wieder in überfüllte Heime zurückgeschickt, eine Maßnahme des Sozialamtes, die wir für vollkommen untragbar halten. Anstatt von Konkurrenz wäre ein solidarisches Zusammenleben und gemeinsame Forderungen aller BewohnerInnen der Viertel an die Stadt ein gutes Zeichen.

Dies ist eine Entwicklung, deren negative Auswirkungen wir in vollem Maße erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten zu spüren bekommen werden. Um diese soziale Spaltung zu verhindern muss daher im Interesse der gesamten Gesellschaft bezahlbarer Wohnbau entstehen, und zwar jetzt!

Das Problem ist seit vielen Jahren bekannt, trotzdem handeln der Stadtrat und die Stadtverwaltung weiterhin zögerlich. Die Schaffung der neuen Wohnbaugesellschaft kann auch nur der Anfang einer komplett veränderter Wohnungspolitik sein.

Dass bei vielen Stadträten und in der Verwaltung trotzdem noch keine andere Haltung in Sachen Immobilien angenommen wurde, wird an diversen Stellen deutlich:

Als der Gebäudekomplex an der Königsbrücker Straße 119 veräußert wurde, bewarb sich unter anderem die Gruppe Elixir um die Nutzung der Flächen. Das Projekt wollte ein soziales Zentrum schaffen, in dem alteingessene und Refugees gemeinsam wohnen, Werkstätten betreiben und Gemeinschaftsflächen für Menschen aus der Stadt anbieten. Wenngleich das Projekt bei vielen Abgeordneten Anklang fand, wurde es am Ende vom Stadtrat mit Stimmen der Opoosition und aus Teilen der SPD abgeleht und das Gebäude an den meistbietenden verkauft. Diese gewinnorientierte Politik muss ein Ende haben.

Wir fodern daher den Stadtrat und die Stadtverwaltung dazu auf:

  •  Die Gründung der neuen Wohnbaugesellschaft muss so schnell wie möglich mit aller Kraft vorangetrieben werden. Es müssen zehtausende neue, bezahlbare Wohnungen entstehen und zwar in der ganzen Stadt, nicht nur in ärmeren Vierteln.
  • Alles dafür zu tun, damit keine Menschen in schwierigen sozialen Situationen aus ihren Vierteln verdrängt werden.
  • Keine Rückführung von Refugees aus sozialem Wohnungsbau zurück in Heime. Die dezentrale Unterbringung ist ein essentielles Konzept, damit Menschen hier ein neues Zuhause finden können!
  • Die Projektvergabe und der Verkauf von Immobilien darf nicht weiter an den meistbietenden gehen. Es ist offenkundig, dass Dresden nicht noch mehr Einkaufshallen braucht! Soziale Projekte müssen hier bevorzugt werden!

Abschließend lässt sich nur noch eines sagen: Die Stadt sollte denen gehören, die dort wohnen!

 

 

„Willkommen in Löbtau“-Fußballgruppe: Freudschaftsspiel gegen SG Gittersee

Die Fußballgruppe des Nachbarschaftsnetzwerks „Willkommen in Löbtau“ war am Dienstag zu Gast in Gittersee. Denn der dort ansässige Fußballverein – die SG Gittersee – hatte  zu einem Freundschaftsspiel geladen. Zweck des Spiels war einerseits ein Formtest für den Gastgeber, der in der Stadtliga C antritt. Anderseits wollte der Verein durch das Spiel herausfinden, ob in dem Team von „Willkommen in Löbtau“ Spieler sind, die die Mannschaft der Gitterseer verstärken könnten.

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Für einige der Geflüchteten, von denen manche seit knapp anderthalb Jahren zum freitäglichen Fußballspiel des Netzwerkes kommen, war es das erste Spiel auf einem Großfeld. Auch deshalb gab es vor dem Spiel vom Coach Manuel klare Anweisungen zum Spielsystem (4-2-3-1) und wie das Spiel allgemein angegangen werden sollte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem schnellen Kontergegentor wurden diese auch sehr gut umgesetzt. Der Gegner wurde früh im Spielaufbau gestört und die schnelle Offensive, mit Safuan, Kahled, Kawa, und Mohammed G. machten den heimischen Verteidigern das Leben schwer. Vor allem der wuselige Safuan war sehr agil und konnte 3 Tore erzielen. Auch die Abwehr um Kapitän Kamal, Bedel, Kahlid und Najib spielte sehr diszipliniert und trotz deutlicher Größennachteile zweikampfstark. Im Mittelfeld zogen Ibrahim und Mohammed S. gut die Fäden und konnten durch ihre Schnelligkeit einige Lücken stopfen. Auch Torwart Zaid zeigte nach anfänglichen Eingewöhnungsproblemen eine solide Leistung. Einzig bei Eckbällen hatte die Weltauswahl so ihre Probleme und so ging es mit einem 3:3 in die Kabine. Die Befürchtungen einer deutlichen Niederlage durch taktische Überlegenheit der erfahrenen Gegner waren also zerschlagen und alle zufrieden mit dem Spielstand.

Nach einer weiteren Taktikunterweisung des italienischen Meistercoaches ging es wieder hinaus auf den nun flutlichterhellten Ascheplatz. Die Löbtauer spielten weiter konsequent und zeigten kaum Konditionsschwächen, so dass der Gegner von Anfang an stark unter Druck gesetzt werden konnte. Zwei Tore durch die zwei Brüder Kahled und Mohammed S. (ein viel umjubeltes Kopfballtor nach einer Ecke) gelangen den Löbtauern in dem intensiven Spiel noch, so dass am Ende ein vollkommen unerwarteter 6:4 Sieg zu Buche stand.

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Heimcoach Christian Fleischhauer, der das Begegnungsspiel initiiert hatte, zeigte sich nach dem Spiel hocherfreut und lud einige unserer Spieler sogleich zum Training nach Gittersee ein. Die AG Fußball setzt seit einiger Zeit einen Fokus ihrer Arbeit darauf, Geflüchtete in Fußballvereine einzubinden und somit einen praktischen Beitrag zur Integration dieser zu leisten. Wir freuen uns daher sehr, dass nach Abshir, Dalil, die auf Vermittlung unseres Coaches Manu bereits bei der SG Dölzschen mittrainieren, nun noch weitere Spieler den Weg zu einem Dresdner Fußballverein finden. Ein großes Dankeschön geht an die SG Gittersee und Trainer Christian Fleischhauer für die Möglichkeit des Testspiels und den netten Empfang im Dresdner Süden.

Internationale Fahrraddemonstration durch Löbtau und Gorbitz

Mit einer Fahrraddemonstration haben am 18.6.2016 etwa 80 Teilnehmende sichere Fluchtwege für Schutzsuchende und ein Ende der europäischen Abschottungspolitik gefordert. Unter dem Motto „Rides and Rights for Refugees“ starteten sie auf der Columbusstraße und fuhren zur Zwischenkundgebung nach Gorbitz. Dort forderten sie die Anerkennung ausländischer Ausbildungen, das Ende von 1-Euro-Jobs und die Abschaffung der Residenzpflicht. Die Teilnehmenden kamen aus Syrien, Eritrea, Marokko und Deutschland.

Bei der Zwischenkundgebung am Amalie-Dietrich-Platz forderten Vertreter des Internationalistischen Zentrums (IZ) Dresden ein würdiges Leben und gesellschaftliche Teilhabe für Schutzsuchende in Deutschland. „Wir fordern Gleichstellung der Arbeit und Ausbildung der MigrantInnen, das Recht zu arbeiten und sich in Deutschland von Anfang an frei zu bewegen“, hieß es in dem Redebeitrag, der auf Arabisch und Deutsch verlesen wurde. Ein Sprecher des IZ kritisierte 1-Euro-Jobs für Geflüchtete, sowie für Menschen, die in Deutschland geboren sind. „In diesen Jobs gibt es keine Ausbildung für die Menschen, nur einen lächerlichen Pseudolohn und Monotonie. Die Menschen werden als billige Arbeitskräfte ausgebeutet.“

Mit dem Fahrradkorso machten die Radfahrenden auf die Rechte geflüchteter Menschen aufmerksam. Seit Ende 2014 setzt sich das nachbarschaftliche Netzwerk Willkommen in Löbtau neu ankommende Nachbarn und lebt eine Willkommenskultur. Die Politik auf Bundesebene jedoch schränkt die Rechte von Asylsuchenden mit den Beschlüssen des Asylpaket I und II weiter ein, Europa schottet sich ab und fliehende Menschen müssen lebensgefährliche Wege nehmen auf der Suche nach Sicherheit in der EU. Allein in diesem Jahr sind bisher 3000 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Mit Parolen wie „Um Europa keine Mauer – Bleiberecht für alle und auf Dauer!“ kritisierten die Radfahrer diese Entwicklungen lautstark.

Ein Sprecher der Gruppe Dresden Postkolonial verwies auf die historischen Zusammenhänge, die bei aktuellen Migrationsbewegungen zum Tragen kommen. „Die Grenzen, über die Menschen heute fliehen müssen, wurden größtenteils gewaltvoll von EuropäerInnen im Zuge des Kolonialismus geschaffen“, so der Sprecher. „Sie sind Zeugnisse einer blutigen Epoche, die sich bis heute auf die globalen Machtverhältnisse auswirkt.“ So könne ein Mensch mit deutschem Pass ohne Visum nach Tunesien reisen und sich dort frei bewegen, während die Menschen von dort sich auf eine lebensbedrohliche Reise machen müssten und in Deutschland in Heime oder Lager gesteckt würden.

Mit lautem Klingeln fuhr die Demonstration von Gorbitz zurück nach Löbtau, vorbei am Übergangswohnheim an der Tharandter Straße, dessen Bewohner die Radfahrer aus ihren Fenstern begrüßten. Die Demonstration endete nach etwa einer Stunde in Altlöbtau.

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Leitfaden zur Wohnungssuche

Eine Wohnung in Dresden zu finden ist nicht leicht. Vor einigen Jahren gab es in Dresden noch recht viel Leerstand, mittlerweile ist der Wohnraum recht knapp geworden. Besonders schwierig ist es für Menschen, die Hartz4 beziehen, da viele VermieterInnen berufstätige MieterInnen bevorzugen. Geflüchtete, deren Asylantrag positiv bewertet wurde, gehören zu dieser Gruppe und müssen nach Anerkennung ihres Asylgesuchs in wenigen Monaten aus ihrer Gemeineschaftsunterkunft oder dezentralen Wohnung ausziehen. Dabei gibt es viel Bürokratie, die beachtet werden muss. Unsere ehemalige Mitstreiterin Sandra hat zusammen mit dem ÖIZ Dresden einen Leitfaden und eine Checkliste zur Wohnungssuche für Geflüchtete erarbeitet, den wir hier bereitstellen.

Leitfaden

Checkliste

Viel Erfolg bei der Suche!

Landesbischof besucht Frühlingsfest von Willkommen in Löbtau

Am Montag, den 25.04.2016 feiert das Netzwerk Willkommen in Löbtau den Frühlingsanfang. Ab 17:30 Uhr sind Geflüchtete, NachbarInnen und Interessierte eingeladen in die Hoffnungskirche, Clara-Zetkin-Straße 30, zu kommen, um gemeinsam bei Musik, Spiel und kulinarischen Überra-schungen die neue Jahreszeit zu begrüßen. Auch der Landesbischof der Evanglisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen, Carsten Rentzing, kommt zum Fest. Gemeinsam mit der Löbtauer Pfarrerin Gisela Merkel-Manzer begrüßt er um 18 Uhr die Gäste.
Das Netzwerk erwartet großes Interesse am Fest. „Zu den bisherigen Festen kamen immer mehrere hundert Leute. Die NachbarInnen scheinen sich über mehr Vielfalt im Viertel zu freuen und nut-zen diese Gelegenheit, um neue Freundschaft zu schließen.“, so Frederik Kuschewski, ein Sprecher des Netzwerks. Willkommen in Löbtau fördert diese positive Entwicklung auch weiterhin durch regelmäßige Angebote, damit sich alle in Löbtau zu Hause fühlen.
Die Evanglisch-Lutherische Löbtauer Gemeinde Frieden und Hoffnung, die das Fest in der Kirche beherbergt, hat das Löbtauer Willkommensnetzwerk im Winter 2013 mitbegründet. Um sich ein Bild von der ehrenamtlichen Arbeit zu machen, kommt Landesbischof Carsten Rentzing zum Frühlingsfest. Auch Superintendent Christian Behr ist vor Ort, die BesucherInnen können sich mit Fragen und Wünschen an die Kirchenvertreter wenden. „Ich freue mich sehr, dass der Landesbischof durch den Besuch des Festes seine Wertschätzung der ehrenamtlichen Helfer und die Solidarität mit den Geflüchteten zeigt.“ sagt Pfarrerin Gisela Merkel-Manzer. Das Netzwerk freut sich, wenn Gäste vegetarische Speisen für die Feier beisteuern. Sächsische Spezialitäten sind dabei ebenso willkommen wie typische Landesgerichte von Geflüchteten.
Bei einem gemütlichen Feuer haben die BesucherInnen die Gelegenheit sich näher kennenzulernen. Instrumentalstücke, Musik aus verschiedenen Ländern und der Chor „Leuben“ werden musikalisch durch den Abend führen. Darüber hinaus sorgen Spiele für Groß und Klein für ein geselliges Miteinander. Eine Kinderspielecke bietet für die kleinen Gäste einen abwechslungsreichen Abend.

 

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Fußball verbindet!

Seit Anfang des Jahres weht internationaler Flair über den Kunstrasenplatz an der Malterstraße 18. Etwa 30 bis 50 Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kommen hier jeden Freitag ab 15 Uhr zusammen, um gemeinsam Fußball zu spielen. Fast alle Mitspieler sind aus ihrer Heimat geflohen und leben jetzt in Dresden. Für die 90 Minuten auf dem Fußballfeld aber werden alle Probleme für einen Augenblick vergessen und es wird stattdessen dem Ball hinterhergejagt, getrickst, diskutiert und gelacht. Man lernt sich kennen, an einem Platz, wo Sprachbarrieren kaum eine Rolle spielen – dem Fußballplatz. Hier steht der Fußball noch für genau das, was ihn so beliebt macht: Er verbindet die Welt!

Die Fußballmannschaft von Willkommen in Löbtau

Die Fußballmannschaft von Willkommen in Löbtau

Nachdem der freitägliche Fußballtreff sich gut etabliert hat, versucht die Gruppe nun einige der Geflüchteten in umliegende Fußballvereine zu integrieren. Dabei wird noch Unterstützung bei der Kontaktaufnahme zu den Vereinen gesucht. Außerdem wird ab April auf dem Nebenlatz der Malterstraße 18 ein extra Training für Kinder und bei Interesse auch deren Mütter stattfinden. Gerne sind interessierte Menschen eingeladen, freitags zum bunten Kick zu kommen und mitzuspielen. Bei Fragen und Anregungen können Interessierte das Netzwerk per E-Mail oder über unsere Webseite kontaktieren.

Unterstützung erhält die Fußballgruppe von Willkommen in Löbtau vom ESV Dresden. Der traditionsreiche Sportverein vom Weißeritzufer ermöglichte eine unkomplizierte Eingliederung der Gruppe in den Verein. Seit Februar 2016 ist sie so als Freizeitsportgruppe offiziell ein Teil des Vereins und kann somit auf deutliche Vergünstigungen bei der Platzmiete zurückgreifen. Weiterer Dank geht an SportEck Uhlmann und den RoundTable Dresden 204. In Kooperation schenkten sie der bunten Fußballgruppe einen Satz Fußballtrikots für die anstehenden Turniere im Sommer, Leibchen für die wöchentliche Fußballrunde, Bälle und andere nützliche Dinge im Wert von insgesamt 500€.

SpenderInnen gesucht: Tarek soll ankommen dürfen

Gemeinsamer Spendenaufruf vom Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ und dem WUMS e.V.

Seit Februar lebt Tarek N. in Löbtau, kennengelernt haben wir ihn beim Willkommenfest für die Geflüchteten des Übergangswohnheims der Tharandter Straße 8. In der Nachbarschaft hat er ein WG-Zimmer gefunden, doch das Sozialamt übernimmt die Miete bisher nicht. Damit Tarek dort wohnen kann, wo er sich wohlfühlt, bitten das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ und der WUMS e.V. um Ihre Spende, bis das Sozialamt die Miete zahlt.

Seit der Eröffnung des Übergangswohnheims auf der Tharandter Straße 8 Anfang 2015 engagiert sich das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ für Geflüchtete. Von dort aus sollen sie in dezentrale Wohnungen umziehen – oft wollen sie dabei im Stadtteil bleiben, weil sie dort schon Kontakte geknüpft haben.

Tarek hat ein WG-Zimmer im selbstverwalteten Studierendenwohnheims WUMS e.V. gefunden. Die BewohnerInnen wohnen sehr gerne mit ihm zusammen und möchten, dass er ihr Mitbewohner bleibt. Die anfallenden Mietkosten zahlen die BewoherInnen des WUMS, doch langfristig können sie diese Kosten nicht alleine tragen. Bis das Sozialamt die dabei entstehenden Mietkosten von 180 Euro im Monat übernimmt, bitten wir daher um Ihre Spende!

Durch das Willkommensfest für Geflüchtete in Löbtau im Februar hat Tarek, der aus Libyen stammt, erste Kontakte in die Nachbarschaft geknüpft und den WUMS e.V. kennengelernt. Mit der Zeit ist er ein sehr guter Freund der BewohnerInnen des Hauses geworden. Sie unterstützen ihn bei seinem Asylgesuch, haben einen Deutschkurs für ihn gefunden und begleiten z.B. bei Arztbesuchen. Tarek findet sich im Haus gut zurecht und übernimmt Aufgaben im Vereinsleben, engagiert sich zusätzlich im Nachbarschaftscafé. Wir finden, dass dies ein Musterbeispiel dafür ist, wie geflüchtete Menschen Teil unseres Viertels werden! Lassen Sie uns diese Geschichte fortführen!

Gerne nimt der WUMS e.V. Ihre Geldspende entgegen (Spendenquittung möglich).

WUMS e.V.

IBAN: DE09 4306 0967 6009 7377 00

BIC: GENODEM1GLS

„Montagabend in Dresden kann auch mal schön sein“

Das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ feierte am Montag mit 200 Gästen eine internationale Adventsfeier in der Löbtauer Hoffnungskirche. Die übliche Kirchbestuhlung war kleinen Tischgruppen gewichen, an denen Dresdner mit und ohne Fluchthintergrund, Muslime, Christen und Atheisten gemeinsam Sterne bastelten, spielten und Plätzchen ausstachen.

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Die Hoffnungskirche in Löbtau war kaum wiederzuerkennen – statt Stuhlreihen waren Tischgruppen aufgebaut, an denen die Gäste zusammensaßen. An verschiedenen Stationen bastelten sie Papiersterne, sägten in einer kleinen Holzwerkstatt Kerzenhalter und formten Vanillekipferl. Geflüchtete Menschen, Mitglieder katholischer und protestantischer Gemeinden aus Löbtau, NachbarInnen und Netzwerkmitglieder feierten so ein gemeinsames Adventfest. Der Buffettisch knarzte unter der Fülle an Speisen, die die Gäste zur Feier beisteuerten, zwischen den Tischgruppen flitzten Kinder umher.

„Es ist wunderschön so viele Leute aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Dresdner Stadtteilen hier zu sehen“, freute sich Gisela Merkel-Manzer, Pfarrerin der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Frieden und Hoffnung. „Das Netzwerk hat wieder stark gearbeitet. Ich freue mich auch, dass so viele geflüchtete Menschen gekommen sind, die ich hier noch nie gesehen habe.“ Die Kirchgemeinde war maßgeblich an der Gründung des Löbtauer Netzwerks beteiligt und stellt Räumlichkeiten für Veranstaltungen.

Für musikalische Unterhaltung sorgten der Dresdner Jazzchor, eine Trommelgruppe und klavierspielende Netzwerkmitglieder. Zum Abschied bekamen die Geflüchteten Tütchen voller Kekse – das Netzwerk bedankt sich bei dem Löbtauer Bäckermeister Marcel, der für die Plätzchenproduktion seine Backstube zur Verfügung gestellt hatte. Gemeindepädagoge Robert Waniek freute sich über das gelungene Fest: „Montagabend in Dresden kann auch mal schön sein.“

 

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Wieder in Fahrt: 50 ausrangierte Mieträder der Bahn gehen an Geflüchtete

Der Leiter des Bahnhofsmanagements Dresden, Heiko Klaffenbach, übergab die Räder am Freitag am Hauptbahnhof. Alle roten Flitzer sind verkehrssicher, einsatzbereit und – geputzt! Das Netzwerk Willkommen in Löbtau freut sich über die Spende, die neuen Drahtesel sind schon alle fest verplant.

Das Netzwerk Willkommen in Löbtau hat am Freitag 50 gespendete Fahrräder entgegengenommen, die

Die Bahn Bikes in den Katakomben des Hauptbahnhofs

Die Bahn Bikes in den Katakomben des Hauptbahnhofs

für geflüchtete Menschen bestimmt sind. Dabei handelt es sich um ausrangierte Mieträder der Deutschen Bahn. Gemeinsam verluden Ehrenamtler des Netzwerks und Mitarbeiter der Bahn am

Morgen die Drahtesel. „Fahrräder sind wichtig, denn wie wir alle sind geflüchtete Menschen in der ganzen Stadt unterwegs, um Freunde zu besuchen, aufs Amt oder zur Schule zu gehen“, erklärt Frederik Kuschewski, Pressesprecher und Leiter der AG Fahrrad vom Netzwerk Willkomen in Löbtau. „Mit dem Fahrrad ist man unabhängig und kostenlos mobil, zudem macht Radfahren einfach Spaß!“

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Heiko Klaffenbach vom Bahnhofsmanagement (links) übergibt die Räder an das Netzwerk.

Die Spende kommt keinen Tag zu spät, die 50 Räder sind bereits alle verplant. Ein Teil der Räder geht an Geflüchtete in Rossendorf. „Für die Menschen dort sind es mehrere Kilometer bis zum nächsten Supermarkt“, sagt Kuschewski. Weitere Fahrräder gehen an die Heimleitung der Übergangswohnheime auf der Tharandter Straße in Löbtau und in die Podemusstraße in Stetzsch. Bei der Heimleitung können sich Asylsuchende dann bei Bedarf eines der Räder ausleihen.

Vor einem Jahr stellte die Deutsche Bahn die Fahrradvermietung am Dresdner Hauptbahnhof ein – seitdem standen die roten Räder im Keller. Ab heute kommen sie wieder in Fahrt. Den Kontakt zwischen dem Löbtauer Netzwerk und der Bahn hat Jost Beckmann vermittelt. Er ist Marketingleiter bei DB Regio und aktuell im Sabbatical. „Das ist eine Phase, wo ich mir gesagt habe: Jetzt kann man mal etwas tun, statt immer nur zu reden.“

Von Aleppo nach Gorbitz – ein Erfahrungsbericht

Eine Veranstaltung im Quilombo-“Eine Welt“-Verein und Laden im Rahmen der Interkulturellen Tage

Am 02.10.15 feierte der Verein Quilombo „Eine Welt“ e.V. seinen 25. Geburtstag. Aus diesem Anlass fand sich der Verien mit Freunden, Unterstützern seiner Arbeit und Interessierten im Löbtauer Weltladen zusammen.

Thema des Abends war Flucht aus Kriegsgebieten und die Gewährung von Schutz in Deutschland. Musaab, ein 28-jähriger Syrer, der seit ca. neun Monaten in Dresden-Gorbitz wohnt, berichtete anschaulich über sein Leben in Aleppo, wo er Wirtschaft studiert hat, über seine Familie und über die Gründe, die ihn zur Flucht bewegten. Wie alle jungen Männer unter 36 Jahren sollte er zum Zwangsdienst in der regierungstreue Armee von Machthaber Baschar al-Assad eingezogen werden.

Sein Fluchtweg führte ihn über die Türkei, wo er etwa ein Jahr lang ohne Aussicht auf einen Aufenthaltstitel schwer arbeitete, weiter über Griechenland und Italien nach Deutschland. Auch er saß in einem Schlauchboot, das zu sinken drohte, und wurde zum Glück gerettet. Um nach Deutschland zu kommen, musste er viel Geld bezahlen. Von München aus gelangte er über Dortmund und Chemnitz schließlich nach Dresden. Derzeit ist er mit sieben weiteren Syrern in einer Wohnung in Gorbitz untergebracht.

Genehmigt ist sein Asylantrag bis heute nicht, einen offiziellen Deutschkurs durfte er deshalb auch noch nicht belegen. Seine ausgezeichneten Deutschkenntnisse hat er sich selbst angeeignet, erste Hilfe beim Zurechtfinden in Dresden erhielt er vom Gorbitzer Netzwerk. Inzwischen hat er eine Zusage, dass er hier weiter studieren darf, und belegt einen speziellen Deutsch-Vorbereitungskurs.

Es gab eine angeregte Diskussion, u.a. auch darüber, wie Syrien eines Tages wieder aufgebaut werden solle. Musaab möchte, wie die meisten Geflüchteten, eines Tages in seine Heimat zurück. Frieden in Syrien wäre die Voraussetzung … .

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