Thesenpapier des Lenkungsausschusses nimmt Anregungen von Willkommen in Löbtau auf

„Machen wir die richtigen Dinge und machen wir die Dinge richtig?“

Diese Frage steht als Hauptüberschrift über einem Thesenpapier des Dresdner Lenkungsausschusses zur Integration von Zugewanderten in den Arbeitsmarkt unter Federführung von Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

Seit dem Frühjahr 2017 haben Mitglieder unserer Initiative „Willkommen in Löbtau“ in verschiedensten Gesprächen und schriftlichen Kontakten versucht, die Qualität der Sprachkurse für Geflüchtete zu hinterfragen. Grund hierfür waren Beobachtungen, dass kaum mehr als 50% der Kursteilnehmer die entsprechenden Prüfungen im ersten Anlauf schaffen. Wir kontaktierten die Bildungskoordinatoren der Stadt Dresden, suchten das Gespräch mit dem Jugendmigrationsdienst der Caritas und wandten uns auch direkt an das BAMF, welches zumeist Träger der Deutsch-Kurse ist. Gleichzeitig wurde eine Umfrage an andere Flüchtlingsinitiativen vorbereitet, wie dort die Erfahrungen sind.

Damit haben wir anscheinend eines der Hauptprobleme angesprochen, warum die Eingliederung von Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt nur sehr schwer in Gang kommt (Auszüge):

  • Integrationskurse schließen nicht mit dem Niveau für die Einzelnen ab, auf dem ein Integrationsprozess aufbauen kann und Anschlussmaßnahmen wirken können.
  • Das erlernte Sprachniveau und die schulischen Kenntnisse erfüllen bei vielen Absolventen und Absolventinnen von Integrationskursen tatsächlich nicht die Mindestanforderungen für eine berufliche Qualifizierung oder Tätigkeit.
  • Die am Arbeitsmarkt angebotenen Helfertätigkeiten sind für eine dauerhafte Integration nicht ausreichend und bieten keine lebenslange Perspektive. Am Arbeitsmarkt werden vorrangig Fachkräfte gesucht.

Das Thesenpapier wurde in der Sitzung des Lenkungsausschusses für Integration in Arbeit und Ausbildung am 12.07.2017 bestätigt. Wermutstropfen: „Die im Thesenpapier aufgestellten Aussagen und Forderungen zur Sprachförderung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werden von dort nicht bestätigt.“

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Am 26. Oktober fand im Dresdner Rathaus eine Informationsveranstaltung „Deutsch lernen in Dresden“ statt. Auch hier waren wieder Mitglieder von „Willkommen in Löbtau“ dabei. In erster Linie nutzten Lehrer für Deutsch als Fremdsprache (DaZ) das Podium, um ihre Probleme mit übervollen oder inhomogenen Klassen anzusprechen. Das Eingangsreferat von Ann-Kathrin Kobelt (TU Dresden, Zentrum für Integrationsstudien) führte zu der Schlussfolgerung, dass mit der bisherigen Qualität der Sprachvermittlung eine Integration von Geflüchteten eher nicht befördert wird.

Wir als „Willkommen in Löbtau“ brachten auch hier die Probleme bei den (Jugend-)Integrationskursen zur Sprache. Insgesamt ließ sich recht viel angestauter Frust bei der Veranstaltung beobachten. Für Verwunderung sorgte Susanne von Bebenburg-Jungbluth, die als Regionalkoordinatorin beim BAMF in Chemnitz arbeitet. Sie verwies darauf, dass die Regeln vom BAMF vorgegeben seien und sie darauf keinen Einfluss habe. Desweiteren seien die für den Jugendintergrationskurs geltenden Regeln nur Richtlinien und keinesfalls bindend für die entsprechenden Kursträger.

Marcus Oertel, Bildungskoordinator für Neuzugewanderte / Erwachsenenbildung und Organisator von „Deutsch lernen in Dresden“ hat zugesagt, eine Zusammenfassung dieser Veranstaltung an alle Teilnehmer zu verschicken. „Die Veranstaltung hat mir nochmal gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir mit allen Akteuren im Gespräch bleiben, um die richtigen Entscheidungen vorzubereiten, damit die vielfältigen Herausforderungen bewältigt werden. Obwohl ja auch schon viel erreicht wurde, gibt es permanent viel zu tun, zum Beispiel zum Thema Qualität in Sprachkursen. Hier bleiben wir auch weiterhin ansprechbar.“

Im Namen der vielen von uns betreuten Geflüchteten freuen wir uns, dass wir Bewegung in ein wichtiges Problem gebracht haben, welches jetzt hoffentlich recht zügig von den politisch Verantwortlichen gelöst wird.

Sibylle und Heiko Frey

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Friedenskultur als Kommunikationsaufgabe

Vom ersten bis zum dritten Oktober veranstaltet der Memorare Pacem e.V. den Internationalen Dresden Dialog. Mit Gästen aus mehr als 30 europäischen Städten sollen insbesondere die aktuellen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhaltes in den Städten und Kommunen in Europa diskutiert werden.
„Willkommen in Löbtau“ war am Sonntag nachmittag bei der Auftaktveranstaltung im Hygienemuseum durch uns vertreten. Im Panel 2 der Arbeitstagung stellten Gäste aus Mailand, Schweinfurt, Thessaloniki, Coventry und  San Sebastian verschiedene erfolgreiche Projekte von Bürgerbeteiligung und Mitbestimmung in ihren Städten vor. Am interessantesten für uns waren hier jedoch die Äußerungen von Dieter Jetschmanegg, der als Leiter für Kommunikation, Wirtschaft und Beteiligung in der Landeshauptstadt Potsdam arbeitet.

Verena Leuterer und Sibylle Frey präsentieren das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“

So gibt es dort eine „WerkStadt für Beteiligung“ sowie einen Beteiligungsrat, in welchem mehr Bürger als Politiker und Verwaltungsangestellte vertreten sind. Man beschäftigt sich ernsthaft mit tatsächlicher Mitbestimmung und kritisiert Alibi-Aktionen, wo Bürger lediglich als „Dekoration“ dienen.  Und man diskutiert auch die Missverständnisse und Mythen, die zuweilen entstehen, z.B.: „Bürgerbeteiligung muss immer zu besseren Ergebnissen führen“ oder dass am Ende der Beteiligung immer ein Konsens bestehen müsse.

 

Beim abendlichen Get-Together im Kunsthaus Dresden konnten Verena Leuterer und Sibylle Frey den anwesenden Gästen die Initiative „Willkommen in Löbtau“ kurz vorstellen. Zur Sprache kamen dabei die verschiedenen Aktivitäten und Arbeitsgruppen, speziell jedoch die vielfältigen Aufgaben, die die Paten bei der Integration der Geflüchteten übernehmen – Erfolge, Probleme und Aktuelles. Und so konnte den Gästen auch der neue Lernraum im Spike vorgestellt werden, welcher noch einmal ausführlich durch eine Mitstreiterin aus diesem Verein erläutert wurde. Dazu gab es nette, z.T. auch sehr informative Gespräche mit Dresdner Stadträten oder Vertretern aus anderen Vereinen und Initiativen.

Sibylle und Heiko Frey

Unser interkultureller Lernraum startet im September

Lernraum für Schule und Berufsausbildung:

Zusammen mit dem Jugend- und Kulturzentrum SPIKE in Leubnitz-Neuostra  startet unsere AG „Arbeit und Ausbildung“  ab 4. Sepetmber einen
Lernraum für Migrant/inn/en, Geflüchtete und Einheimische aus ganz Dresden.

Auf dem Weg ins Berufsleben finden Schüler/innen und Auszubildende dort Unterstützung von ehrenamtlichen Helfer/innen beim gemeinsamen Lernen für Schule und Sprachkurse. Neben der Lern- und Hausaufgabenhilfe wird auch beim Schreiben von Bewerbungen oder Ausfüllen von Formularen geholfen.

„Wir bieten einen offenen Treffpunkt zur Nachhilfe und zur Unterstützung für Ausbildung, Qualifikation und Berufseinstieg“, erklärt Michael Kobel, der Leiter der AG, und Ellen Demnitz-Schmidt vom SPIKE ergänzt:  „Für alle Fachgebiete stehen täglich mehrere ehrenamtliche Tutoren zur Verfügung und helfen bei der Vorbereitung auf das Berufsleben.“

Die Teilnehmer/innen werden gebeten, mit konkreten Fragen oder Aufgaben und spätestens eine Stunde vor Ende der Öffnungszeit vorbeizukommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

  • Der Lernraum ist ab 4. September 2017 jeweils Montag bis Donnerstag geöffnet.
  • Öffnungszeiten:  Montag, Dienstag, Donnerstag, 16 bis 19 Uhr, Mittwoch 16 bis 18 Uhr
  • Adresse: Jugend- und Kulturzentrum SPIKE Dresden, Karl-Laux-Straße 5, 01219 Dresden
  • Anreise: Bus 66 bis Spitzwegstraße oder Bus 75 bis Karl-Laux-Straße
  • Web: http://www.spikedresden.de/lernraum/
  • Kontakt: Lernraum@spikedresden.de

   

„Willkommen in Löbtau“ erhält Dresdner Integrationspreis für AG „Ausbildung und Arbeit“

Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden Dirk Hilbert hat unser Netzwerk für die Arbeitsgemeinschaft „Ausbildung und Arbeit“ mit dem Dresdner Integrationspreis 2016 ausgezeichnet. Der Preis ehrt erfolgreiches Engagement für die Integration von Migrantinnen und Migranten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt und wurde am 20. Dezember 2016 zum ersten Mal vergeben. Gewürdigt werden vorbildliche Aktivitäten des interkulturellen Engagements, die einen nachhaltigen Beitrag für ein vielfältiges, weltoffenes und solidarisches Miteinander in der Dresdner Stadtgesellschaft leisten. Es ist eine große Ehre für unsere Arbeitsgemeinschaft und das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“, diesen Preis entgegennehmen zu dürfen. Wir freuen uns ganz besonders für die von uns gegenwärtig und zukünftig unterstützten Migrantinnen und Migranten über diese Anerkennung unseres gemeinsamen Engagements.

In der AG „Ausbildung und Arbeit“ laufen derzeit über 60 langfristige persönliche Patenschaften mit Geflüchteten aus mindestens elf Herkunftsländern, wobei neben Syrien (über 50%) insbesondere Somalia, Eritrea, Pakistan und Marokko vertreten sind. Das Alter reicht von 20 bis über 50 Jahre, die Schulbildung von Hauptschule bis Universitätsabschluss. In individuell angepasster Weise unterstützen die Pat/inn/en insbesondere die Erstellung von Lebensläufen und Bewerbungen, begleiten bei Behördengängen, unterstützen bei Telefonaten und Briefen, helfen bei der Vermittlung von Kontakten, der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und Eignungstests oder beim Lernen für Berufsschule oder Studium. Während dieses Prozesses entsteht ein sehr persönliches Betreuungsverhältnis, bei dem auch in Aspekten des Asylverfahrens nach Möglichkeit geholfen oder an kompetente Stellen vermittelt wird.

Die ersten 11 Patenschaften für Geflüchtete aus Löbtau konnten im Mai 2015 bei einem Informationsabend in der Hoffnungskirche nach vorheriger Vernetzung mit mehreren Beratungseinrichtungen in Dresden geschlossen werden. Ihre heutige Größe erreichte die AG durch einen von Anja Hartner, Michael Kobel, Manuela Lang, Martin Mittelbach und Gesine Wegner organisierten öffentlichen Informationsabend im November 2015 im Hörsaalzentrum der TU Dresden. Dabei konnten 30 weitere Pat/inn/en gewonnen werden und es entstanden Patenschaften mit fast 70 Geflüchteten aus verschiedenen Stadtteilen.

Die Zusammenarbeit mit anderen AGs (wie AG Sprache und AG Kochabend) innerhalb des Netzwerks „Willkommen in Löbtau“ bietet ideale Randbedingungen für regelmäßige Treffen und den Aufbau vertrauensvoller Kontakte zu den Geflüchteten. Über monatliche Stammtische zum Erfahrungsaustausch der Pat/inn/en und regelmäßige Informations- und Vernetzungsabende – auf der einen Seite mit Behörden, Beratungsstellen, Arbeitgebern, HWK und IHK und auf der anderen Seite mit Ehrenamtlichen und Unterstützungsnetzwerken – schafft sich die AG einen stetig wachsenden Pool an Erfahrungen und Kontakten. Im internen Wiki des Netzwerks werden wichtige Informationen und Kontaktadressen gesammelt.

„Das Projekt zielt darauf ab, die Geflüchteten zu befähigen, sich selbstständig in dem für sie ohne Hilfe schwer durchschaubaren Strukturen des deutschen Ausbildungssystems und Arbeitsmarkts zurechtzufinden.“, erklärt Michael Kobel, der die AG koordiniert. „Wir erfahren jeden Tag, wie bereichernd es sein kann, gemeinsam mit Mitmenschen aus verschiedensten Ländern zu versuchen, Herausforderungen zu meistern, die selbst uns oft noch nicht begegnet sind“. „Den Weg für erfolgreiche Integration bilden Sprache, soziale Kontakte und schließlich Ausbildung und Arbeit. Eine Begleitung in Patenschaften ist daher sehr gut geeignet, um geflüchtete Menschen wirksam zu unterstützen.“ so Martin Mittelbach weiter. Dies scheint zu funktionieren: bereits nach einem Jahr befinden sich ca. die Hälfte der betreuten Geflüchteten in Arbeitsgelegenheiten, Praktika, oder Arbeitsverhält­nissen und ca. 10% sogar schon in Ausbildung oder dauerhafter Anstellung. Alle anderen bereiten sich in Deutsch- oder Integrationskursen auf Ausbildung und Arbeit vor.

Eine Kontaktaufnahme mit der AG ist jederzeit über das Kontaktformular auf Seite „AG Ausbildung und Arbeit“ möglich.

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Vernetzungsabend der AG Arbeit und Ausbildung für Geflüchtete – Ein Erfahrungsaustausch

Am 21.06.2016 lud die „AG Arbeit und Ausbildung“ zu einem Vernetzungsabend für den Austausch über Erfahrungen bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt ein. Die rund 30 Teilnehmer/innen aus unterschiedlichen Initiativen und Unterstützungseinrichtungen aus der Landeshauptstadt und darüber hinaus trafen sich in den Räumlichkeiten der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften und bildeten vier Arbeitsgruppen. Die öffentlich zugänglich dokumentierten Ergebnisse zeigen, dass noch einige Arbeit vor den Engagierten und den Geflüchteten liegt, obwohl bereits vielfältige Angebote existieren.

Gesine Wegner Ausbildung Arbeit Geflüchtete

Rund 30 Teilnehmer/innen aus verschiedenen Initiativen tauschten Erfahrungen aus. Gesine Wegner führt in den Abend ein

Gesine Wegner führte bei gespannt freudiger Atmosphäre in den arbeitsreichen Abend ein. Zunächst präsentierte sie die „AG Arbeit und Ausbildung für Geflüchtete“ des Netzwerks Willkommen in Löbtau, in der in festen Patenschaften inzwischen rund 80 Geflüchtete von ca. 35 Pat/inn/en betreut werden. Die AG hilft Geflüchteten bei ihrer Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt:

  • Kennenlernen von Geflüchteten mit ihren Bildungs- u. Arbeitsbiographien sowie persönlichen Zielen
  • Unterstützung bei Orientierung und Suche nach individueller Perspektive
  • Gemeinsames Erstellen von Lebensläufen und Bewerbungsmappen
  • Vermittlung von Kontakten, Ausfüllen von Formularen, Begleitung zu Anlaufstellen und Ämtern
  • Suche nach Arbeits- / Ausbildungs- / Praktikumsstellen
  • Hilfe bei der Vorbereitung von Eignungstests und Vorstellungsgesprächen

Für den Erfolg dieser Bemühungen ist die Zusammenarbeit mit vielen Beteiligten und Schnittstellen nötig — Grund genug für die AG, in Form von Vernetzungsabenden einen Austausch von Ideen, Erfahrungen und Perspektiven einzuleiten. Der Schwerpunkt des Abends lag diesmal beim Austausch mit Beratungseinrichtungen und zwischen den Ehrenamtlichen selbst und ergänzte damit die bisherigen offenen Treffen der AG Arbeit und Ausbildung. Im November 2015 standen die Geflüchteten und ihre Pat/inn/en im MIttelpunkt, im März 2016 (Aus)bildungseinrichtungen, Arbeitgeber und Behörden.

Im Zentrum: Erfahrungsaustausch im Arbeits- und Ausbildungsmarkt

Während bei den bisherigen Vernetzungsabenden viele Gastredner zu Wort kamen, erörterten diesmal vier Arbeitsgruppen in getrennten Räumen Probleme und Perspektiven des ehrenamtlichen Engagements bei der Hilfe zur Eingliederung in Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse. Jede Gruppe behandelte dabei jeweils einen speziellen Bereich in Form einer „Schnittstelle“, die für die Integration von Bedeutung sind:

  • Schnittstelle Behörden und Einrichtungen
  • Schnittstelle Arbeitgeber
  • Schnittstelle Geflüchtete
  • Schnittstelle andere Netzwerke und Ehrenamtliche

In der letzten Phase des Abends wurden die Ergebnisse zusammengetragen und gemeinsam diskutiert. Obwohl die Gruppen separat arbeiteten gab es viele Überschneidungen in den Ergebnissen, sodass viele angesprochene Punkte oft von allen Beteiligten am Ende mit einem Kopfnicken begleitet wurden:

Das Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe – kein Ersatz für staatliche Stellen

Ein vielen Anwesenden wichtiges Thema war beispielsweise die Wahrnehmung des Ehrenamts. Dabei ging es unter anderem um die persönlichen Grenzen der Belastung im Engagement. Das Engagement ist freiwillig und dies sollte von Geflüchteten und Einrichtungen stets respektiert werden. Jeder sollte jederzeit das Recht haben, Aufgaben abzulehnen oder zu pausieren, sei es wegen Überlastung oder auch gänzlich ohne Angabe von Gründen.

Um einer Überlastung der freiwilligen Helfer vorzubeugen, sind eine effektive Vernetzung mit klaren Ansprechpartnern und ein realistisches Erwartungsmanagement besonders wichtig. Es sollten insbesondere keine Parallelstrukturen zu offiziellen Stellen aufgebaut werden, um doppelte Arbeit zu vermeiden.

Gruppe Schnittstelle Arbeitgeber Geflüchtete

Die Teilnehmer diskutierten in vier Gruppen über das, was bereits gut läuft und was verbesserungswürdig ist. Hier ist die Gruppe „Schnittstelle Arbeitgeber“ zu sehen

Engagement bei Arbeit und Ausbildung – eine Vierecksbeziehung

Ein Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis von Geflüchteten entsteht meist mithilfe einer Vierecksbeziehung. Teile dieses Vierecks sind die Pat/inn/en bzw. Ehrenämtler, potentielle Arbeitgeber, offizielle Stellen sowie die interessierten Geflüchteten selbst. Jede Ecke dieses Gebildes muss mit eigenen und fremden Erwartungen umgehen. Gleichzeitig stellt sie auch Erwartungen an Dritte. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Punkte, die bei dem Vernetzungsabend zur Sprache kamen:

Partei

Erwartungen, Wünsche und Forderungen, die kommuniziert werden müssen

Pate / Ehrenamt
  • die Arbeit soll auch zur Entlastung staatlicher Stellen dienen, z.B. durch Begleitung bei Behördengängen und Hilfe bei Bearbeitung von Dokumenten
  • öffentliche Stellen und Behörden haben oft noch nicht die Kompetenzen und Aufgabenfelder untereinander geklärt. Hier sollte Verständnis entgegengebracht werden, auch um die Beziehungen nicht zu belasten
  • es sollten keine Parallelstrukturen zu den staatlichen Einrichtungen aufgebaut werden
  • die Arbeit ist informierend und ratgebend, ein „nein“ ist zu akzeptieren, sowohl von Geflüchteten als auch Behörden
Einrichtung / pot. Arbeitgeber
  • Die Einstellung eines Geflüchteten ist ein besonderes Arbeitsverhältnis. Geduld und Zeit sollte für die etwas aufwändigere Einarbeitung des Geflüchteten aufgebracht werden
  • Insbesondere sollte Verständnis und Raum für parallele Deutschkurse und andere Nachhilfe gegeben sein
Offizielle Behörden und Stellen
  • Für Arbeits und Ausbildung relevante Ansprechpartner und Adressen sollten unkompliziert vermittelt werden
  • Möglichkeiten zum  Informationsaustausch zwischen den Willkommensinitiativen über den Ehrenamtskoordinator der Stadt Dresden (C. Hirschwald) sollten noch intensiver genutzt werden

Interessierter Geflüchtete/r

  • Es sollte eine intensive Auseinandersetzung mit Aufgaben und Rolle in der jeweiligen Einrichtung stattfinden

  • Die eigenen Interessen und Stärken müssen klar und deutlich kommuniziert werden

 

Hilfe für Geflüchtete bei Arbeitsplatzsuche: Was kann können Freiwillige tun?

Kobel als Moderator der Gruppe Schnittstelle Geflüchtete

Michael Kobel (3.v.l.) moderierte die Gruppe „Schnittstelle Geflüchtete“ . Viele Geflüchtete müssen zunächst im Arbeitsmarkt nach Stärken und Interessen orientiert werden

Bei dem Erfahrungsaustausch ging es nicht nur um Wahrnehmungen und Forderungen, sondern auch um konkrete Arbeitsschritte. Einige dieser Schritte können Eingliederung in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt effizienter gestalten. Das hilft nicht nur Geflüchteten sondern auch und insbesondere dem jeweiligen Paten.

Grundsätzlich sollten einige Punkte nicht fehlen; hierzu gehören Hilfe bei der Kontaktaufnahme mit der Arbeitsagentur, Gestaltung von Anschreiben und Sensibilisierung für ungewohnte Strukturen, wie z.B. duale Berufsausbildung. Die Tabelle unten zeigt einige Punkte und Schritte, die von den Teilnehmern des Treffens hervorgehoben wurden:

Schritte und To Dos für ehrenamtliches Engagement zur Ausbildungs- / Arbeitsvermittlung von Geflüchteten

  • Hilfestellung bei schneller Kontaktaufnahme zur Arbeitsagentur

  • Qualifikationen von Geflüchteten soweit möglich offen legen, insbesondere wenn diese nicht formal nachweisbar sind

  • Ggf. Hilfe beim Ausfindigmachen von Praktikastellen, die den offen gelegten Qualifikationen entsprechen

  • Ggf. Kontakt mit Integrationslotsen von Handwerkskammern und Handelskammern aufbauen, Informationen einholen

  • Hilfe beim Verfassen von Anschreiben und Erstkontakt, dabei auf Datenschutz achten und den Status des Geflüchteten erst am Ende des Schreibens erwähnen

  • Ansprechen möglicher Missverständnisse (Krankschreibung, Pünktlichkeit) ohne Vorurteile aufzubauen

  • Individuelle Absprache zwischen Paten und Arbeitsstätte über Intensität und Dauer der Betreuung des Geflüchteten

  • Neben dem Sprachunterricht auch auf anderen Nachhilfeunterricht hinweisen (z.B. Mathe) bzw. Kontakt herstellen, auch parallel zu einer möglichen Tätigkeit

  • Erklärung des deutschen Arbeitsmarktes und des Vorteils, eine lange Ausbildung in Kauf zu nehmen anstatt sofort ungelernte Tätigkeiten aufzunehmen

  • Prüfen ob die eigene Objektivität noch gewährleistet ist und ggf. eine Beratungsstelle aufsuchen

Kontaktadressen Nutzen – Kontaktadressen tauschen

Um die Arbeit im Ehrenamt effektiver zu gestalten, können verschiedene Anlaufstellen genutzt werden. Hierzu gehören staatliche Behörden, größere Projekte und Initiativen sowie Beratungsstellen. Eine Liste von beim Treffen erneut oder zum ersten Mal besonders erwähnten Ansprechpartnern und Informationssammlungen befindet sich am Ende dieses Artikels. Das nächste Vernetzungstreffen wird rechtzeitig auf der Homepage von Willkommen in Löbtau bekannt gegeben.


 

Getauschte Links und Kontakte von Ansprechpartnern

Asyl in Dresden – Aktuelle Informationen der Landeshauptstadt Dresden:
http://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/migration/asyl.php

Material für Ehrenamtliche Helfer herausgegeben von der Landeshauptstadt Dresden:
http://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/migration/asyl/hilfe/ehrenamt/material.php

Anlaufstellen und Informationen der Landeshauptstadt Dresden zum Arbeitsmarktzugang:
http://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/migration/asyl/beschaeftigung.php

Beratungsstelle Ausbildung für Geflüchtete RESQUE 2.0 und RESQUE continued:
http://www.projekt-resque.de/index.php/resque_home.html

Informationen zu Praktika für Flüchtlinge herausgegeben von KOFA (Fachkräftesicherung für kleine und mittlere Unternehmen)
http://www.kofa.de/fileadmin/Dateiliste/Publikationen/Uebersichten/KOFA-Uebersichten_Praktika_Fluechtlinge.pdf

„Study Opportunities for Refugies“ herausgegeben von der TU Dresden
https://tu-dresden.de/studium/vor-dem-studium/internationales/information-fuer-gefluechtete

Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule, Kontaktadressen von NAOMI e.V.
Hochschulorientierte Beratung und Förderung nach den Richtlinien Garantiefonds Hochschulbereich (RL-GF-H)
http://www.naomi-leipzig.de/jmd-gfh.html

Informationen zu Bildungspatenschaften, herausgegeben vom Ausländerrat Dresden e.V. :

http://www.auslaenderrat-dresden.de/seite/108031/bildungspatenschaften.html

Informationen zu Netzwerkpraktika, herausgegeben von der Dresdener Unternehmensinitiative Silicon Saxony:
http://netzwerkstatt.jimdo.com

Integrationshilfeapps für Smartphones
http://oiger.de/2015/09/21/dresdner-welcome-app-fuer-fluechtlinge-freigeschaltet/155611
https://www.ankommenapp.de/
http://welcome-app-concept.de/de/

 

Der Willkommensordner der Stadt enthält zusätzlich und strukturiert alle wichtigen Themenbereiche/Anlaufstellen und kann auch von Paten*innen genutzt werden
Ansprechpartner:
Landeshauptstadt Dresden: geschaeftsbereich-soziales[at]dresden.de

Jobcenter Dresden: Jobcenter-Dresden[at]jobcenter-ge.de

IQ Netzwerk Sachsen: post[at]exis.de

Informations- und Patenschaftsabend „Ausbildung und Arbeit für Geflüchtete“

Oft besitzen Geflüchtete gute Voraussetzungen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, haben aber leider nicht genügend Informationen darüber, wie man das anpackt. Auf dem Weg zu einer festen Anstellung gibt es zudem viele Hürden – sprachliche, gesetzliche, bürokratische, strukturelle, kulturelle, die sie ohne Unterstützung meist nur sehr schwer überwinden können. Persönliche längerfristige Arbeitssuche-Patenschaften können hier eine große Hilfe sein.

Das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ veranstaltete am 12. November 2015 einen Informations- und Patenschaftsabend zum Thema „Ausbildung und Arbeit für Geflüchtete“. Eingeladen waren arbeitsuchende Geflüchtete und Interessierte, die gern eine Patenschaft übernehmen möchten, ehrenamtliche Vertreter von Willkommensnetzwerken benachbarter Stadtteile sowie hauptamtlich Tätige aus dem Bereich Arbeitsvermittlung und Flüchtlingsarbeit.

Zur Freude der Organisatoren war das Interesse an der Veranstaltung groß. Mehr als 100 Menschen folgten der Einladung in den Hörsaal 403 des Hörsaalzentrums der TU Dresden. Sämtliche Plätze und Fensterbänke waren schnell besetzt, sodass zusätzliche Stühle beschafft werden mussten. Die Geflüchteten kamen nicht nur aus den Asylunterkünften in der Tharandter Straße in Löbtau, der Podemusstraße in Stetzsch und der Waltherstraße in Friedrichstadt, sondern aus dem gesamten Stadtgebiet und sogar darüber hinaus. Auch die neuen UnterstützerInnen, die sich für eine Patenschaft engagieren möchten oder sich zunächst erst einmal informieren wollten, kamen aus verschiedensten Stadtteilen. Vertreter aus den Netzwerken Anker Friedrichstadt, Gemeinsam im Dresdner Westen und Dresden-Plauen Miteinander nahmen ebenso an der Veranstaltung teil wie der Koordinator Ehrenamt und Beschäftigung im Bereich Asyl der Stadt Dresden, Clemens Hirschwald. Darüber hinaus nahmen sich Andre Kostov vom Team Integration von Asylsuchenden der Arbeitsagentur Dresden und Uwe Krenz vom Comcenter Dresden Zeit für die Veranstaltung.

Zunächst gab es eine Einführung für potentielle neue Patinnen und Paten. Dann folgte ein Vortrag, der hauptsächlich die Geflüchteten adressierte. Ziel war es, offizielle Anlaufstellen und das Unterstützungsangebot durch Arbeitssuche-Patenschaften vorzustellen sowie eine Einführung zu Arbeitsgelegenheit, Praktika, Berufsausbildung, Studium und Arbeit in Deutschland zu geben. In einem weiteren Vortragsteil stellte Herr Kostov das Angebot der Arbeitsagentur vor. Die Liveübersetzung durch Dr. Mohammad Nassour, Aktiver des Netzwerks und Mitarbeiter des Comcenters, ins Arabische ermöglichte einem Großteil der Geflüchteten den Vorträgen zu folgen. Am Ende standen die offiziellen Gäste den Geflüchteten und ehrenamtlichen Unterstützern für Fragen zur Verfügung.

Im letzten Teil der Veranstaltung wurden in Zweiergesprächen und Kleingruppen gemeinsam mit Übersetzern und unter Zuhilfenahme von Übersetzungsapps erste Daten als Startpunkt einer Patenschaft ausgetauscht. Erstaunlich schnell und unkompliziert fanden sich Geflüchtete und UnterstützerInnen zusammen, sodass zügig 40 Erfassungsbögen ausgefüllt waren. Mit voraussichtlich ca. 30 neuen UnterstützerInnen kann die gemeinsame Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsstellen nun beginnen.

Das Material zur Veranstaltung kann unter folgendem Link heruntergelanden werden http://cern.ch/info-refugee-jobs.

Wer sich für eine Arbeitssuche-Patenschaft interessiert, kann sich per Email an asyl@loebtau.org wenden oder zu unserem Stammtisch vorbeikommen. Dieser findet jeden dritten Dienstag im Monat um 18 Uhr statt. (Ort und Zeit wird rechtzeitig unter der Rubrik Termine auf dieser Webseite bekannt gegeben.

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